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Millennium Mills
Ehemaliger Getreidespeicher am Royal Victoria Dock in London.

Former grain store at the Royal Victoria Dock in London.


Zur Entwicklung des Londoner Hafenviertels:

Die Docklands waren geprägt von endlosen, riesigen Lagerhäusern, Getreidespeichern, Werften und Arbeitersiedlungen. Charakteristisch für das Gebiet waren auch die allgegenwärtigen 6 Meter hohen Backsteinmauern, die die Waren vor Diebstahl schützen sollten.

Bereits mit der Weltwirtschaftskrise 1923 setzt ein Rückgang der Handelsaktivität ein. Im Zweiten Weltkrieg ist das Hafengebiet Hauptziel der Luftangriffe und wird stark zerstört. Dadurch verliert es weiter an Bedeutung und die Industrie- und Wohnanlagen beginnen teilweise zu verfallen.

Ab den frühen 60er-Jahren erfolgt der Warentransport auf See mehr und mehr in Containern. Gleichzeitig wird der Warenumschlag mechanisiert. Große Containerschiffe werden eingeführt, die London nicht mehr erreichen können, da die Themse nicht tief genug ist. In der Folge konzentriert sich der Warenumschlag auf den Hafen von Tilbury 25 km flussabwärts. Die Londoner Docks verlieren innerhalb weniger Jahre massiv an wirtschaftlicher Bedeutung. Bis 1981 werden sämtliche Häfen geschlossen.

Die Docklands verfallen und werden zum Schandfleck der Stadt. Die Bewohner sind arbeitslos und verarmen zunehmend. Andererseits liegt in dem 22 qkm großen, sehr zentrumsnahen Areal ein riesiges Potential für die künftige Stadtentwicklung.

1976 stellt eine neu gegründete Arbeitsgemeinschaft aus Stadtverwaltung und den betroffenen Stadtbezirken den "Docklands Strategic Plan" vor. Darin wird das Areal als Möglichkeit erkannt, vor dem Hintergrund der zunehmenden Einwohnerschrumpfung Londons attraktiven Wohnraum im Kernbereich der Stadt zu schaffen. Der Plan sieht den Neubau von etwa 23.000 Wohnungen vor. Das alles soll geschehen durch vorheriges Verfüllen fast aller Hafenbecken und durch Abriss der alten Arbeiter- und Lagerhäuser.

Noch bevor die Planungen umgesetzt werden, entwickelt sich in den folgenden Jahren ein Bewusstsein für den kulturellen und wirtschaftlichen Wert der historischen Bausubstanz und die Totalabrisspläne werden kritisch hinterfragt. Auch das negative Bild der "schmutzigen und kriminellen Docks", das bislang vorherrschte, wandelt sich mehr und mehr ins Positive und die industrielle Vergangenheit kann erfolgreich als Mittel der Vermarktung eingesetzt werden.

1981 wird eine Entwicklungsgesellschaft gegründet, die eine konkrete Planung für das gesamte Gebiet der Docklands erarbeitet. Hauptziel dabei ist, das Gebiet für private Investoren so attraktiv wie möglich zu machen. Sie besteht aus den folgenden drei Hauptbestandteilen:

1) Ausweisung von "Enterprise Zones", die für die Ansiedlung neuer Unternehmen vorgesehen ist. Dies geschieht in den 80er-Jahren hauptsächlich durch Zeitungsverlage, Montagefirmen und Unternehmen aus dem Speditions- und Logistikgewerbe. Den Unternehmen werden dabei große Freiheiten eingeräumt, was Größe und Gestaltung der Gebäude angeht. Die so entstehenden neuen Arbeitsplätze können jedoch quantitativ den Verlust in den vergangenen Jahrzehnten nicht annähernd ausgleichen.

2) Planung von attraktiven Wohngebieten, hauptsächlich aus Einfamilienhäusern. Das industriekulturelle Erbe wird in Form von musealisierten Hafenkränen oder zu Lofts umgebauten Werftgebäuden in die Planung integriert. Allein zwischen 1981 und 1991 werden 17.000 neue Wohneinheiten geschaffen. So attraktiv die neuen Wohnanlagen auch sind, so sozial abgeschottet sind sie auch: Sie stehen nicht wie eigentlich vorgesehen in Nachbarschaft mit den alten Siedlungen, sondern existieren als städtebaulich bedenkliche introvertierte Enklaven.

3) Schaffung neuer innovativer Verkehrsinfrastruktur, um die bislang schlechte Erreichbarkeit des Gebiets zu beseitigen. Hierzu gehört eine neue U-Bahn sowie die „Docklands Light Railway (DLR)“, eine neue, vollautomatisch verkehrende Straßenbahn, die die gesamten Docklands erschließt. Sie wird 1987 eröffnet. Der neue "London City Airport" zwischen den Royal Docks im Osten soll die Docklands an ganz Europa anbinden. Er geht ebenfalls 1987 in Betrieb.

Das Entwicklungspotential, das in den Docklands steckte, war eine in der Geschichte Londons einmalige Chance. In ökonomischer Hinsicht wurde sie genutzt und brachte der Stadt einen immensen Wirtschafts- und Innovationsschub. Die Docklands haben sich zum "zweiten Herz" Londons entwickelt, und die Stellung der Stadt im globalen Wettbewerb gestärkt. Die industrielle Vergangenheit wurde nicht vollständig negiert, sondern als Markenzeichen verwendet und ihre baulichen Relikte vielerorts in die Planung integriert.

Quellen:
Han Meyer: City and Port
Peter Ackroyd: London, Die Biografie
Datei-Information
Fotografin / Fotograf:Burkhard Kelberlau
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Hinzugefügt am:26.November 2009
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